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Sprachbegleitung

Bereits seit mehreren Jahren beteiligt sich das Pirckheimer-Gymnasium Nürnberg am Projekt „Sprachbegleitung“, das die Dienststelle des Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken im Auftrag des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus für derzeit 12 staatliche Gymnasien in Mittelfranken koordiniert. Über diese „Sprachbegleitung“ unterstützt das Ministerium Schulen mit besonderem Förderbedarf durch zusätzliche Budgetstunden für die Förderung der Sprachentwicklung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund.

Maßnahmen der Sprachbegleitung

Das Pirckheimer-Gymnasium bietet im Schuljahr 2018/19 mit Unterstützung des Kultusministeriums zusätzliche Wochenstunden über die „Sprachbegleitung“ an, die für diese Kurse genutzt werden. Es gibt in der Unterstufe Angebote für das Fach Deutsch, in den höheren Jahrgangsstufen wird die sprachliche Förderung sowohl im mathematisch-naturwissenschaftlichen als auch im gesellschaftswissenschaftlichem Bereich und in der Oberstufe als Vorbereitung auf das Deutschabitur von einem Stammlehrerteam angeboten. Diese Stunden werden fest in den Stundenplan der entsprechenden Schüler integriert, um eine konstante Übung gewährleisten zu können. Zurzeit werden ca. 125 Schülerinnen und Schüler in dreizehn Kleingruppen besonders gefördert. Zusätzlich unterstützt das PGN auch zwei Grundschulen, indem zwei gymnasiale Deutschlehrer dort Lese- und Schreibübungen mit Viertklässlern, die aufs Gymnasium gehen, durchführen.

In den Maßnahmen der „Sprachbegleitung“ werden grundsätzlich alle Schüler mit besonderem Förderbedarf gleichberechtigt unterstützt. Es profitieren aufgrund der Art des Konzepts und der methodischen Ausrichtung vor allem die Schülerinnen und Schüler mit nicht deutscher Muttersprache von dem Zusatzangebot.

Prinzipien der Sprachbegleitung

Sprachbegleitung zielt in der 5. Jahrgangsstufe darauf ab, allen Schülern einen motivierenden Start am Gymnasium zu ermöglichen, da in der Praxis festgestellt worden ist, dass für die Entwicklung der schriftsprachlichen Kompetenzen in der Bildungs- und Schulsprache oft noch Unterstützung benötigt wird. In Kleingruppen und in individueller Zuwendung wird vor allem die Produktion korrekter Texte geübt und generell das Verständnis der deutschen Sprache geschult.

Ab der 6. Jahrgangsstufe werden die Kurse der Sprachbegleitung an ein Leitfach (aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen oder gesellschaftswissenschaftlichem Bereich) gekoppelt, so dass Sprachförderung mit der Erarbeitung der Sachfachinhalte verknüpft wird. Erfahrungsgemäß bereitet den Schülern mit nicht deutscher Muttersprache die komplexe und abstrakte, stark verdichtete Sprache sowie der sprachliche Umgang mit Grafiken, Diagrammen und generell nicht linearen Texten in den Sachfächern besondere Probleme. Derzeit wird ein Kurs in Islamunterricht und ein zweistündiger Kurs in Natur und Technik in den 6. Klassen angeboten. Der Sprachbegleitungskurs Islamunterricht ist durchaus eine Besonderheit, da nur wenige Schulen Islamunterricht anbieten und hier gezielt auf sprachliche Kompetenzen eingehen können.

In der 6. und 7. Jahrgangsstufe (Leitfach Geschichte) erarbeiten die Schüler verschiedene Themen aus dem Fach Geschichte. In den letzten Jahren wurde dazu u.a. auch ein Stadtführer erstellt, für den die Schüler zu Sehenswürdigkeiten des mittelalterlichen Nürnberg recherchieren und ihre Ergebnisse jeweils in der Schulsprache und der jeweiligen Muttersprache präsentieren sollten. Auf diese Weise entwickeln sie ausgesprochen bildungssprachliche Kompetenzen und (fast) nebenbei den speziellen Wortschatz des Faches Geschichte der 6- und 7. Jahrgangsstufe.

In der 8. Klasse wird dieses Jahr zum zweiten Mal ein Kurs mit dem Leitfach Geographie angeboten. Hier werden vor allem geographische Themen entdeckt und sprachlich erarbeitet, wobei ein Schwerpunkt auf der Arbeit mit nicht linearen und Sachtexten aus der Geographie liegt. Des Weiteren geht es um das Produzieren und schriftliches Versprachlichen von geographischen Texten und Abbildungen sowie richtiges mündliches Wiedergeben.

Die 10. Jahrgangsstufe ist mit einem Kurs mit den Leitfächern Geschichte und Sozialkunde vertreten. Wie in Geographie geht es hier um das Einüben der Bildungssprache und den Umgang mit Texten.

Dieses Schuljahr gibt es auch wieder einen Abiturvorbereitungskurs für das Fach Deutsch, in dem 11.- und 12.-Klässler sich gezielt mit dem Abbau ihrer Sprachhürden im Hinblick auf das Deutschabitur beschäftigen und v.a. ihre Schreibkompetenz weiter ausbauen können.

Interkulturelle Pädagogik

Interkulturelle Pädagogik berücksichtigt die Lebenswelt der Schüler, die in der Südstadt von sprachlicher, kultureller und sozialer Heterogenität geprägt ist. Diese besondere Situation wird im Unterricht der Sprachbegleitung thematisiert und für Lernprozesse genutzt. Schließlich soll und muss auch anerkannt werden, dass die Schüler mit nicht deutscher Muttersprache eine ganz besondere Leistung vollbringen, wenn sie ein Gymnasium in ihrer ersten „Fremdsprache“ bewältigen.

Übergangsmanagement

In Ergänzung zu den sprachbegleitenden Maßnahmen kooperiert das PGN in diesem Jahr erneut mit den Grundschulen am Herschelplatz und der Kopernikusschule im Übergangsmanagement. Die Zusammenarbeit ermöglicht die Bildung von Kleingruppen in den 4. Jahrgangsstufen der zwei Grundschulen zur intensiven Leseförderung und zur Schreibformenlehre. Schülerinnen und Schüler mit der Empfehlung zum Besuch des Gymnasiums werden durch dieses Programm, das von einem Stammlehrerinnenteam gymnasialer Deutschlehrkräfte betreut wird, auf den Übertritt vorbereitet.

Dass diese Maßnahme für die Organisatoren des Stundenplans und die beteiligten Kollegen Herausforderungen mit sich bringt, liegt auf der Hand, wird von uns aber gern in Kauf genommen, weil wir als Pirckheimer-Gymnasium mit dem besonderen Profil der Sprachbegleitung und des Übergangsmanagements den Anforderungen unseres Standorts und damit unserer gesellschaftlichen Verpflichtung nachkommen möchten.