Bereits seit mehreren Jahren beteiligt sich das Pirckheimer-Gymnasium Nürnberg am Projekt „Sprachbegleitung“, das die Dienststelle des Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken im Auftrag des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus für derzeit 17 staatliche Gymnasien in Mittelfranken koordiniert. Über diese „Sprachbegleitung“ unterstützt das Ministerium Schulen mit besonderem Förderbedarf durch zusätzliche Budgetstunden für die Förderung der Sprachentwicklung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund.
Maßnahmen der Sprachbegleitung
Das Pirckheimer-Gymnasium bietet im Schuljahr 2026/27 mit Unterstützung des Kultusministeriums zusätzliche Wochenstunden über die „Sprachbegleitung“ an, die für diese Kurse genutzt werden. Es gibt in der Unterstufe Angebote für das Fach Deutsch und das darstellende Spiel, in den Jahrgangsstufen 6-11 wird die sprachliche Förderung sowohl im mathematisch-naturwissenschaftlichen als auch im gesellschaftswissenschaftlichen Bereich von einem Stammlehrerteam angeboten. Diese Stunden werden in den Stundenplan der entsprechenden Schüler integriert, um eine konstante Übung gewährleisten zu können. Zurzeit werden ca. 140 Schülerinnen und Schüler in 15 Kleingruppen besonders gefördert.
In den Maßnahmen der „Sprachbegleitung“ werden grundsätzlich alle Schüler mit besonderem Förderbedarf gleichberechtigt unterstützt. Es profitieren aufgrund der Art des Konzepts und der methodischen Ausrichtung vor allem die Schülerinnen und Schüler mit nicht deutscher Muttersprache von dem Zusatzangebot.
Prinzipien der Sprachbegleitung
Sprachbegleitung zielt in der 5. Jahrgangsstufe darauf ab, allen Schülern einen motivierenden Start am Gymnasium zu ermöglichen, da in der Praxis festgestellt worden ist, dass für die Entwicklung der schriftsprachlichen Kompetenzen in der Bildungs- und Schulsprache oft noch Unterstützung benötigt wird. In Kleingruppen und in individueller Zuwendung wird vor allem die Produktion korrekter Texte geübt und generell das Verständnis der deutschen Sprache geschult. Des Weiteren gibt es auch ein Sprachbegleitungsangebot im darstellenden Spiel in der Ganztagesklasse.
Ab der 6. Jahrgangsstufe werden die Kurse der Sprachbegleitung an ein Leitfach (aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen, oder gesellschaftswissenschaftlichen Bereich) gekoppelt, so dass Sprachförderung mit der Erarbeitung der Sachfachinhalte verknüpft wird. Erfahrungsgemäß bereitet den Schülern mit nicht deutscher Muttersprache die komplexe und abstrakte, stark verdichtete Sprache sowie der sprachliche Umgang mit Grafiken, Diagrammen und generell nicht linearen Texten in den Sachfächern besondere Probleme. Derzeit werden zwei Kurse in Mathematik in den 6. Klassen angeboten.
In der 7. Jahrgangsstufe (Leitfach Geographie) werden vor allem geographische Themen entdeckt und sprachlich erarbeitet, wobei ein Schwerpunkt auf der Arbeit mit nicht linearen und Sachtexten aus der Geographie liegt. Des Weiteren geht es um das Produzieren und schriftliches Versprachlichen von geographischen Texten und Abbildungen sowie richtiges mündliches Wiedergeben.
In der 8.-9. Klasse (Leitfach Geschichte) erarbeiten die Schüler verschiedene Themen aus dem Fach Geschichte. In den letzten Jahren wurde dazu u.a. auch ein Stadtführer erstellt, für den die Schüler zu Sehenswürdigkeiten des mittelalterlichen Nürnbergs recherchieren und ihre Ergebnisse jeweils in der Schulsprache und der jeweiligen Muttersprache präsentieren sollten. Auf diese Weise entwickeln sie ausgesprochen bildungssprachliche Kompetenzen und (fast) nebenbei den speziellen Wortschatz des Faches Geschichte.
Die 10.-11. Jahrgangsstufe ist mit einem Kurs aus dem Leitfach Physik versehen. Hier geht es um das Einüben der Bildungssprache und um das Verstehen von physikalischen Aufgabenstellungen.
Interkulturelle Pädagogik
Interkulturelle Pädagogik berücksichtigt die Lebenswelt der Schüler, die in der Südstadt von sprachlicher, kultureller und sozialer Heterogenität geprägt ist. Diese besondere Situation wird im Unterricht der Sprachbegleitung thematisiert und für Lernprozesse genutzt. Schließlich soll und muss auch anerkannt werden, dass die Schüler mit nicht deutscher Muttersprache eine ganz besondere Leistung vollbringen, wenn sie ein Gymnasium in ihrer ersten „Fremdsprache“ bewältigen.
