Zur Namengebung „Pirckheimer-Gymnasium“

Im Staatsanzeiger vom 15. Januar 1971 heißt es lapidar, der Staatsminister für Unterricht und Kultus habe „auf Antrag dem Mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnas ium an der Gibitzenhofstraße Nürnberg (im Aufbau ) den Namen „Pirckheimer-Gymnasium“ verliehen, der „von der Schule im dienstlichen und außerdienstl ichen Verkehr sowie im Dienstsiegel geführt“ werde. Verborgen bleibt indes, wer der/die Verantwortliche(n) der Namengebung war(en) und vor allem, weshalb gerade dieser Name für die Schule gewählt worden war. Dazu Herr H2eknyn3isnmgy, ein Lehrer der ersten Stunde, später Stellvertreter des Schulleiters:

Wie Willi zum Gymnasium kam ...

Von den ersten Tagen der Schule an waren wir alle - Schüler, Eltern, Lehrer - von der Gründungsbezeichnung „Gymnasium Nürnberg, Gibitzenhofstr. 151“ wenig begeistert.

Schon bald begannen wir die Suche nach einem Namenspatron. Viele Namen wurden genannt:
Harsdöffer, Valkarner, Karl Bröger, Felix Klein, Wilhelm Spaeth, Cramer-Klett, Schuckert, Willibald Pirckheimer, Caritas Pirckheimer, Regiomontanus...
Grundsätze wurden aufgestellt:

  • Es soll ein Wissenschaftler sein (Klein, Pirckheimer, Regiomontanus, Valkarner).
  • Es soll jemand sein, der mit der Stadtentwicklung des Nürnberger Südens zu tun hat: Spaeth, Cramer-Klett, Schuckert.
  • Das Werk soll heutige Lebensumstände in Nürnberg mit erklären helfen: Bröger, Cramer-Klett, Schuckert.
  • Es soll jemand aus dem Wirtschafts- oder Arbeitsleben sein: Spaeth, Cramer-Klett, Schuckert, Bröger, Valkarner.
  • Es soll jemand sein, der zu den Namen der übrigen Nürnberger naturwissenschaftlichen Gymnasien passt: Regiomontanus, Pirckheimer.
  • Es soll jemand sein, der sich von der Bezeichnung der übrigen Nürnberger naturwissenschaftlichen Gymnasien abhebt... usw., usw.

Einige der Namen fielen schon recht schnell durchs Sieb: Wer wollte es den Schülern einer Aufbau-Schule zumuten, dass sie mit Spaeth-Gymnasium
oder Klein-Gymnasium gehänselt wurden? („ae“ und „h“ im ersten und Felix im zweiten Namen wären da wohl nur geringe Entlastungen gewesen.) Am Ende vieler Gespräche und Dispute blieben drei Namen stehen:

  • Philipp Harsdörffer, (1607-1658), Poet und Autor des berühmten - wenn auch häufig falsch eingeschätzten - Nürnberger Trichters, dessen Hauptanwalt ein Mitglied des Elternbeirats war,
  • Regiomontanus, d. i. Johannes Müller (1436-1476), der in Nürnberg die Sternwarte gründete, dem Martin Behaim seine mathematischen und astronomischen Kenntnisse verdankte und der den „Malpunkt“ erfand (er wurde von einem Mitglied des Personalrates favorisiert) und schließlich der Name
  • Pirckheimer, den man sich sowohl mit männlichem als auch mit weiblichem Vornamen versehen denken konnte.

Schließlich wurde auch noch der Name Harsdörffer der größeren Weltoffenheit der beiden anderen „geopfert“. Nachdem für die beiden Übriggebliebenen viele gute Gründe sprachen, drohten plötzlich Nebensächlichkeiten an Gewicht zu gewinnen: Pirckheimer hatte den Vorteil des dreisilbigen Namens gegenüber den Fünf Silben Re-gio-mon-ta-nus und den Nachteil „seiner“ Straße, die „meilenweit“ vom Schulstandpunkt entfernt liegt. In der Abschlussdiskussion einigte man sich dann auf Pirckheimer, weil es auch eine hervorragende Frau dieses Namens gab und weil dieser Name für unsere beiden Schulzweige gleichgewichtig als Leitbild dienen kann. Der Antrag, mit diesem Namen unsere Schule auszuzeichnen, wurde von allen Beteiligten unterstützt. Am 5.12.1970 wurde dieser Name der Schule durch das Bayer. Staatsministerium für Unterricht und Kultus verliehen, und der Jahresbericht 1970/71 schmückt sich mit dem Portrait des Willibald, das dessen Freund Albrecht Dürer 1524 geschaffen hat.

Seitdem ist ein bisschen in Vergessenheit geraten, dass man sich vor Pirckheimer auch den Namen Caritas denken darf!

Quelle: Seite 221 - 223