Wer war Willibald Pirckheimer?

Pirckheimer sind wir ja alle, die wir hier an der Schule sind, Schüler wie Lehrer. Von wem aber hat unsere Schule überhaupt ihren Namen bekommen und warum ausgerechnet von diesem Mann?

Willibald Pirckheimer heißt der, nach dem wir suchen. Er ist einer der berühmten „Söhne“ der Stadt Nürnberg, wenn auch nicht der berühmteste, denn der war ja Albrecht Dürer (1471-1528), der Künstler mit dem Hasen und dem großen Rasenstück, das wir alle spätestens seit der WM in Deutschland kennen. Und er hatte einen guten Freund: unseren Willibald Pirckheimer. Der war ein Jahr älter als Dürer (1470-1530) und unterstützte ihn tatkräftig, reiste sogar mit ihm nach Italien. Und er pflegte Kontakte zu weiteren berühmten Persönlichkeiten seiner Zeit, so zu Erasmus von Rotterdam und Konrad Celtis. Er war überhaupt ein sehr vielseitig interessierter und engagierten Mann.

Geboren wurde er in Eichstätt als Sohn eines Juristen und Diplomaten, eines Mannes, der sich mit dem Gesetz und der Politik beschäftigte. Pirckheimers Eltern stammten beide aus alten Nürnberger Ratsfamilien, Familien, die das Geschehen in der Stadt Nürnberg bestimmten. Denn Nürnberg war ja eine freie Stadt, die nur dem Kaiser selbst unterstand und in der sozusagen die Bürger regierten. Also könnte man sagen, dass Pirckheimer ein Politikerkind war mit guten Karrierechancen. Wir wissen aber, dass es keineswegs so ist, dass jeder die Chancen auch nutzt, die ihm gegeben werden.

Pirckheimer nutzte sie, er war vielseitig interessiert, studierte Jura, Geschichte, Philosophie, Geografie und Mathematik. Später arbeitete er als Übersetzer und Herausgeber und engagierte sich für die Bildung, er war sogar mitverantwortlich für die Gründung des ersten deutschen Gymnasiums – des Melanchton-Gymnasiums. In seinem Haus am heutigen Hauptmarkt, ungefähr dort, wo sich heute das McDonalds befindet, empfing er oft Gäste, dieses Haus wurde einmal sogar als „Haus der Gelehrten“ bezeichnet. Er war auch in der Überseewirtschaft engagiert und sogar Gast am kaiserlichen Hof. Er machte also viel aus seinen Chancen und da er im Zeitalter des Humanismus wirkte und diesen Zeitgeist auch vertrat, nennt man ihn heute auch den Humanisten Willibald Pirckheimer.

Doch was ist der Humanismus überhaupt? Zuerst fällt jedem hier sicher das Wort „human“ ein, „menschlich“. Und das Humanistische Gymnasium, das Altsprachliche. Tatsächlich lehnt sich der Humanismus ans altgriechische Bildungsideal an. Es geht ihm um die Gesamtheit der Ideen von Menschlichkeit und darum, danach zu streben, das menschliche Dasein zu verbessern. Wohl aufgrund unseres Namensgebers behauptet die Internetseite der Stadt Nürnberg auch, dass in der Südstadt ein Humanistisches Gymnasium stünde, das nach Pirckheimer benannt sei. Nach der Definition „altsprachlich“ sind wir das aber eben nicht, denn bei uns wird ja nur Latein unterrichtet, kein Altgriechisch. Sind wir trotzdem Humanisten? Tragen wir Pirckheimers Namen zu Recht?

Der Humanismus fordert, dass die Würde des Menschen und seine Persönlichkeit respektiert werden, sowie dass die Freiheit des Einzelnen gewährleistet bleibt. Jeder, der an dieser Schule lebt und arbeitet, wird erkennen, dass dieser Punkt als erfüllt gelten muss. Die Wertschätzung des eigenen Lebens und des Lebens der Anderen ist sogar in unserem Schulprofil festgeschrieben. Unsere Vereinbarungen der Lehrer und Schüler untereinander und die gute Zusammenarbeit zeigen deutlich, dass die geforderte Freiheit gewährt wird.

Der Humanismus geht auch davon aus, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, sich zu bilden und weiterzuentwickeln. Nun, wir wären kein Gymnasium, wenn wir anders dächten. Und gerade die Lage der Schule in der Südstadt, wo es vielleicht nicht immer so einfach zugeht wie in anderen Stadtteilen, zeigt, dass uns das „jeder“ ernst ist. Weiter fordert der Humanismus, dass sich die schöpferischen Kräfte des Menschen entfalten sollen. In unserer Schule braucht man nur durch die Gänge zu gehen und die Wände zu betrachten, ja, es genügt schon, unsere Haltestelle an der Allemannenstraße anzusehen, um zu erkennen, dass auch dieser Forderung Genüge getan wird. So sind wir vielleicht kein Humanistisches Gymnasium, aber eine humanistisch orientierte Schule, das sind wir dann wohl schon. Und im Geiste Willibald Pirckheimer handeln wir auch, wenn wir unsere Chancen nutzen und auch Chancen geben, wo sie vielleicht nicht einfach so von unseren Schülern mitgebracht werden, weil sie eben keine Töchter oder Söhne derer sind, die das Sagen in der Stadt haben. Oh ja, wir haben es verdient, Willibald Pirckheimers Namen zu tragen!

Mit Willibald Pirckheimer starb 1530 der letzte Mann dieses Namens, er liegt auf dem Johannisfriedhof begraben, wo auch sein berühmter Freund Dürer liegt. Aber der Name lebt ja dennoch weiter, in unserem Gymnasium in der Südstadt.

Übrigens: Es gibt eine weitere Berühmtheit, die diesen Namen trägt, eine Frau nämlich, eine berühmte  „Tochter“ der Stadt Nürnberg. Sie war Willibalds Schwester und eine Äbtissin, das heißt, sie leitete ein Kloster in Nürnberg und bekleidete somit eine Position, in der sie so viel Macht hatte, wie eine Frau sie zu dieser Zeit nur haben konnte. Den Namen findet ihr heraus, wenn ihr folgendes Rätsel löst. Die jeweiligen Buchstaben ergeben das Lösungswort:

  1. Wie hieß der berühmte Freund Pirckheimers? (2 Worte, 6. Buchtabe)
  2. Wie nennt man das Zeitalter, dem Pirckheimer angehörte? (4. Buchstabe)
  3. An welchem Platz stand Pirckheimers Haus? (8. Buchstabe)
  4. Wo wurde Pirckheimer geboren? (2. Buchstabe)
  5. Wohin reiste Pirckheimer zusammen mit Dürer? (2. Buchstabe)
  6. Welches ist das bekannteste Tier, das Dürer malte? (2. Buchstabe)
  7. Wo liegt Pirckheimer begraben? (8. Buchstabe)

http://de.wikipedia.org/wiki/Willibald_Pirckheimer