Die Ganztagsklassen am PGN

Das Abenteuer „gebundene Ganztagsschule“, das im September 2008 begann, ist mittlerweile für uns zum Alltag geworden. Von Montag bis Donnerstag sind die Kinder der gebundenen Ganztagesklasse von 7.55 Uhr bis 16.15 Uhr in der Schule, am Freitag nur bis 13.05 Uhr. Dabei ist der Unterricht selbst über diese ganze Zeit zusammen mit Pausen verteilt und darf deshalb nicht mit der offenen Ganztagsschule verwechselt werden, die wir ebenfalls anbieten. Der Schultag nimmt also eine lange Zeit in Anspruch, die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte zusammen in der Schule verbringen. Das Schulgebäude wird zum Lebensraum, der Kontakt zu Lehrern und Mitschülern ist wesentlich intensiver, die Konzentration muss bis in den Nachmittag aufrechterhalten werden. Der Vorteil dabei ist, dass eine andere Form des Lernens erreicht werden kann, da sich der Unterricht nicht nur auf den Vormittag zusammenballt.

Nur wenn ein Schultag im richtigen Wechsel von Pausen und Arbeitsphasen organisiert ist, kann der Ganztagsunterricht gelingen. Um diese Rhythmisierung zu erreichen, findet der Unterricht in den Hauptfächern und auch in einigen Nebenfächern in Doppelstunden statt. Dadurch kann man intensiver an einer Sache arbeiten, Übungsphasen leichter in den Unterricht integrieren und schülerzentrierte Methoden besser einsetzen, da sie oftmals mehr Zeit benötigen. Wegen der guten Erfahrungen in den Ganztagsklassen haben wir das Doppelstundenprinzip mittlerweile auf den gesamten Unterricht in allen Klassen ausgeweitet.

Auch wenn durch die zusätzlichen Arbeitsstunden in Englisch, Mathematik und Deutsch zusammen mit dem Lehrer des Faches schriftliche Hausaufgaben wegfallen, ist das eigene Lernen unabdingbar für den Schulerfolg. Deshalb haben wir in den Stundenplan an manchen Tagen auch die sogenannten Hausaufgabenstunden eingebaut, in denen Vokabeln gelernt und eingeschrieben werden können oder in denen die Schüler Hefteinträge für Nebenfächer wiederholen. Dabei müssen sie eine bestimmte Zeit für sich alleine arbeiten und können im zweiten Teil der Stunde zusammen mit anderen Üben und Wiederholen. Dies ermöglicht, dass sie neben der Unterstützung durch die Lehrer in den Arbeitsstunden selbstständig lernen, wie wir es durch das Konzept „Lernen lernen“ erreichen wollen, das zusätzlich in den Ganztagsklassen durch regelmäßige Stunden in „Methodenkompetenz“ unterstützt wird.

Auch das soziale Lernen ist fest im Unterrichtsablauf verankert, da die Sozialpädagoginnen eine Stunde pro Woche jede Klasse in „Sozialkompetenz“ trainieren. Auch die kreative Arbeit an Theaterprojekten ist in diesem Zusammenhang ein wertvoller Baustein. Es ist nämlich gar nicht so leicht, sich auf andere einzulassen und mit ihnen zusammen etwas darzustellen. Aber schon mit einfachen Mitteln der Bewegung, des Stillstands und der Körperhaltung lassen sich im Raum ausdrucksstarke Szenen umsetzen. Die künstlerisch-ästhetische Bildung, die durch den Theaterunterricht fest im gebundenen Ganztag am PGN verankert ist, ist eine wichtige Erweiterung der Stundentafel und eine Besonderheit, die es so bisher an keinem weiteren Gymnasium gibt. Durch einen rhythmisierten Stundenplan und abwechslungsreiche Arbeit im Lauf des Schultags sollen sich die Kinder in möglichst vielen Bereichen entfalten können. Deshalb haben wir im Schuljahr 2017/2018 erstmals Life-Kinetik in den Stundenplan der 6. Klassen im gebundenen Ganztag integriert. Dieses Konzept trainiert das Gehirn durch Bewegung. Die Übungen sind ungewöhnlich und fordern den Menschen im koordinativen, kognitiven und visuellen Bereich heraus, sodass im Gehirn neue Vernetzungen entstehen. Durch dieses Angebot wollen wir etwa die Konzentrationsfähigkeit unserer Ganztagesschüler zusätzlich stärken.

Ein wichtiger Baustein in unserem Ganztagskonzept ist auch das Mittagessen. Durch das flexible und engagierte Verhalten auf der Seite unseres Catering-Unternehmens SF Franken-Catering verläuft das Mittagessen meist entspannt, auch wenn die Mensa ausgelastet ist. Die Kinder können sich zwischen zwei Hauptgerichten (vegetarisch oder mit Fleisch) entscheiden und haben auch noch jede Menge kleinere Speisen wie Pizza oder Salate zur Auswahl. Die Zufriedenheit mit dem Essen und dem Service der Mitarbeiterinnen hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. In der sechsten Stunde ist auch eine der beiden Sozialpädagoginnen in der Mensa anwesend. Die Kinder finden in ihnen vertrauensvolle Ansprechpartnerinnen, die während des Mittagessens Schwierigkeiten mit vergessenen Bestellchips oder mit zerbrochenem Geschirr lösen oder ein Ohr haben für ernsthafte Sorgen wegen schlechter Noten, Problemen zu Hause oder Streit unter Klassenkameraden.

Auch das Wahlkursangebot während der siebten Stunde wird maßgeblich von ihnen getragen, sodass die Schüler ganz nach ihren Interessen zwischen Entspannungstechniken wie Yoga oder Traumreisen und kreativen Tätigkeiten wie Filzen, Origami oder anderen Basteleien wählen können. Unverzichtbar ist auch das Angebot der Mentoren. Dies sind ältere Schüler, die freiwillig ihre eigene Mittagspause opfern, um vor allem für die Ganztagsklassen jeden Tag zwei verschiedene Sportangebote in den Turnhallen zu machen. Für alle ist es wichtig, sich in der Mittagspause auch austoben zu können.

Das eigene Lernen außerhalb der Schule bleibt unerlässlich – egal, ob ein Kind die Regelklassen, den gebundenen Ganztag oder den offenen Ganztag besucht. Genauso wie der enge Austausch zwischen der Schule und den Eltern wichtig ist. Deshalb schätzen wir es, wenn Eltern regelmäßig die Möglichkeiten von Sprechstunden und Elternabenden nutzen.

Mittlerweile besuchen bis zu 150 Schülerinnen und Schüler die gebundenen Ganztagsklassen am PGN. Durch die Konzentrierung der Ganztagsklassen auf den Südflügel und die fürsorgliche Arbeit der Sozialpädagoginnen gelingt es, dass die Schülerinnen und Schüler sich gerne in der Schule aufhalten. Das Kollegium des PGN identifiziert sich in hohem Maß mit der gebundenen Ganztagsschule und entwickelt das Konzept für den Ganztagsbetrieb stetig fort. Für die 5. Klasse können wir im nächsten Schuljahr wieder etwa 50 Plätze anbieten, die sich auf zwei Klassen verteilen. Die Beratungsgespräche vor der Anmeldung helfen, um herauszufinden, ob die gebundene Ganztagsklasse die richtige Schulform für ein Kind ist.